Lisa Fitz: Querfront-Ikone im Eröffnungsprogramm der Ausstellung zu 100 Jahre Frauenwahlrecht

Veröffentlicht am Sa., 02/02/2019 - 18:27
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Am Sonntag den 3. Februar 2019 wird in Vilshofen die Wanderausstellung „Mit Macht zu Wahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Europa“ eröffnet. Eigentlich eine gute Sache, möchte man meinen. Die Veranstaltung wird allerdings von der Kabarettistin Lisa Fitz mit eröffnet, die mit offen antisemitischen Codes arbeitet und keinen Hehl. daraus macht, dass für sie für das Übel der Welt eine Weltverschwörung verantwortlich ist.

2018 wurde ihr Lied „Ich sehe was was du nicht siehst“ auf YouTube veröffentlicht. Dieses ging geradezu viral in der rechtsextremen Szene und wurde auch von der Passauer AfD mehrmals geteilt Es ist beeindruckend, wie viele antisemitische Argumentationsmuster und Anspielungen auf Verschwörungstheorien hier mit eingeflossen sind. Sie verbreitet darin die, aus der Trutherszene (Verschwörungswahnwichtel) bekannte Behauptung, dass eine geheime Elite ein Bevölkerungsreduzierungsprogramm plane: "Es gibt sowieso zu viele Esser / ohne die Vielen geht's den Wenigen besser... Gierige Männer, Mördergreise, / spielen vom Tod die böse alte Weise, / reißen im Fallen die halbe Welt mit sich, / wach auf und handle – lass dich nicht im Stich."

AfD Passau bewirbt den verschwörungstheoretischen Song von Fitz

 

Hintergrundinfos

Lisa Fitz (*1951 in Zürich) ist eine deutsche Kabarettistin, Autorin und Sängerin, die unter anderem mit dem Propagieren von Verschwörungstheorien in Erscheinung tritt.

Das Querfront-Engagement und Verbreitung von Verschwörungstheorien von Lisa Fitz für Querfrontbestrebungen in Deutschland brachte ihr den Ruf als "Erika Steinbach der Kabarettisten", "weiblicher Ken Jebsen" oder "singende Eva Herman" ein. Auf ihrer privaten Homepage lässt sie es als ihre Stärke bezeichnen, "tiefe Weisheiten mitunter in einer volksnahen Sprache zu verstecken".

Im Januar 2018 lud Heiko Schrang (bekannter Sympathisant des Reichsbürgers Adrian Ursache) für sein "erwachtes Publikum" ein 5-Minuten-Video mit der Demoversion des Songs "Ich sehe was was du nicht siehst" von Lisa Fitz bei YouTube mitsamt Liedtext hoch. Das Video war unter anderen Schrang-Videos wie etwa "Planen Eliten Bügerkrieg in Deutschland?", "Lügen über Chemtrails: ARD/ZDF entlarven sich" oder "RFID Chip für jeden geplant?" eingeordnet. Beim Besuch der Webseite wird der Leser auch auf Buchtitel wie "Die Souveränitätslüge" ("Deutschland ist eine Firma") oder "Die Jahrhundertlüge, die nur Insider kennen" (Bilderberger, Kennedy usw.) aufmerksam gemacht. Später lud auch Oliver Janich das Video bei YouTube hoch.

Quelle: https://www.psiram.com/de/index.php/Lisa_Fitz


Doch damit nicht genug der wirren Verschwörungsthesen, weiter schafft es Fitz sogar konkrete Verschwörer zu identifizieren, wie etwa Rothschild und Soros. Damit ist dann der Antisemitismus nicht einmal mehr in Codes verpackt, sie benennt fast ausschließlich Juden, die sie hinter der angeblichen Weltverschwörung vermutet: „Die Welt wird fieser und an wem mag’s liegen?“/„Der Schattenstaat, die Schurkenbank, der Gierkonzern,/Wer nennt die Namen und die Sünden dieser feinen Herrn / Rothschilds, Rockefeller, Soros & Consorten,/die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten.“ Woher Lisa Fitz dieses Bild hat? Der Schattenstaat der Rothschilds, die als Teufel auch noch Gottesmörder sind? Das sind ganz typische antisemitische Codes, die Antisemiten für ihre Propaganda gegen die angebliche jüdische Weltverschwörung seit jeher nutzen. Gerade die Rothschilds als Verschwörer haben in der antisemitischen deutschen Satire Tradition, war es doch auch Lieblingsmotiv der Satiren im Stürmer, der Zeitung der NSDAP.
 

Rothschilds, Rockefeller, Soros & Consorten,/die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten.

Kritik an Podiumsgästen - Die Grünen kritisieren die Besetzung mit Walter Taubeneder (CSU) und Lisa Fitz
Auf Nachfrage äußerte sich Fitz in einem Interview mit dem Rottaler Anzeiger zu den Vorwürfen wie folgt: "... ich will das Recht haben, auch jüdische Familien der Hochfinanz zu kritisieren“. Eine Kritik mit deutscher Tradition und Vernichtungspotential. Auf ihrer Homepage schreibt sie davon, dass sie "tiefe Weisheiten mitunter in einer volksnahen Sprache zu verstecken" versucht. Nach näherer Betrachtung sind es jedoch eher Wahnvorstellungen einer Weltverschwörung anstatt tiefer Weisheiten und eine völkische Sprache, statt einer volksnahen.

Eine solch großartige Errungenschaft wie das Frauenwahlrecht und die Frauenbewegung werden nun in Vilshofen dazu instrumentalisiert, eine Person mit solchen politischen Ansichten gesellschaftsfähig zu machen. Die Kämpferinnen für Emanzipation und Gleichberechtigung würden im Grab rotieren. Des Weiteren stellt sich uns die Frage, warum zu einer solch wichtigen Veranstaltung so eine Person eingeladen wird. Aktuell finden zahlreiche feministische Kämpfe statt, die es wert wären hier Beachtung zu finden. Doch anstatt ein Grußwort von dort einzuholen, bleibt man in Vilshofen lieber völkisch, deutsch und antisemitisch. Gerade vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf die Veranstalter. Es handelt sich dabei keines Wegs um eine kleine Gruppe von rechten Verschwörungswahnwichteln, sondern um die Gleichstellungs-Stelle im Landratsamt Passau in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Vilshofen und den Städten Hauzenberg und Pocking. Die Ausstellung selbst, die sich bestimmt lohnt zu besuchen, ist vom Frauenmuseum Bonn. Ob dieses wohl weiß, wofür ihre Ausstellung in der Eröffnungsveranstaltung instrumentalisiert wird?

Beworben haben die Ausstellung außerdem die Grünen Passau und die Universität Passau. Die Grünen haben inzwischen einen offenen Brief an das Landratsamt geschickt, in dem sie auf die Positionen von Lisa Fitz hinweisen. Es bleibt zu hoffen, dass die einzig richtige Konsequenz gezogen und Lisa Fitz als symbolträchtige Eröffnungsrednerin ausgeladen wird.